Auftakt für Landrats-Wahlkampf

Veröffentlicht am 01.05.2014 in Kommunalpolitik

© Josef Barnekamp/Borkenerzeitung

© Josef Barnekamp/Borkenerzeitung Zum Auftakt des Landrats-Wahlkampfs gab es am Montagabend im Café Fair des Ahauser Caritaszentrums eine Podiumsdiskussion. Zum ersten Mal trafen dabei die drei Landratskandidaten Dr. Kai Zwicker (CDU), Gerhard Ludwig (SPD) und Gertrud Welper (Grüne) aufeinander und diskutierten über Sozialthemen.

Viele Gemeinsamkeiten, unterschiedliche Meinungen im Detail – und unterm Strich ein betont sachlicher Wahlkampfauftakt in netter Café-Atmosphäre: Beim erstmaligen Aufeinandertreffen der drei Landratskandidaten Dr. Kai Zwicker (CDU), Gerhard Ludwig (SPD) und Gertrud Welper (Grüne) am Montagabend im Café Fair des Ahauser Caritaszentrums ging es auf Einladung der Caritas vor allem um Fragen der Sozialpolitik. Unter der Moderation von Christel Mers vom Fachbereich Gemeindecaritas und nach einer Einleitung durch Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann standen gut zwei Stunden lang vor allem diese Themen im Fokus:

Inklusion: Für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern gebe es „keine Patentlösung“, betonte Zwicker. Ein Problem sei die Finanzierung. Das vom Land zugesicherte Geld werde da nicht ausreichen. Ludwig zeigte sich überzeugt, dass die Inklusion kommen werde. Er würde sich aber „ein langsameres Tempo“ bei der Umsetzung wünschen, sagte er. Die Wahlmöglichkeit der Eltern müsste auf jeden Fall erhalten bleiben.

Gertrud Welper betonte, sie sei froh über die UN-Konvention, die Inklusion als Grundrecht festschreibe. Sie sehe Kreis und Kommunen in der Pflicht. „Wir müssen in die Puschen kommen und den Zustand nicht nur verwalten.“

Bezahlbarer Wohnraum etwa für alte Menschen und Behinderte: Hier gebe es auch im Kreis Borken zu wenig kleine und bezahlbare Wohnungen, sagte SPD-Mann Ludwig. Er schlug vor, der Kreis solle seinen – wenn auch kleinen Einfluss – über die Beteiligung bei der Wohnbau nutzen, hier Abhilfe zu schaffen.

Zwicker (CDU) betonte, dass es bereits gute Beispiele für Initiativen gebe, etwa der millionenschwere Umbau alter Wohnbau-Wohnungen an der Breslauer Straße in Borken. Gleichwohl sei es richtig, dass nicht alle vom Land fließenden Wohnbaumittel im Kreis abgerufen würden.

Grünen-Kandidatin Welper wünschte sich, dass in der Region andere Wohnformen umgesetzt würden. Was Wohnungen für Behinderte angehe, so sei vor allem der Landschaftsverband gefragt.

Pflege: Hier forderte Gertrud Welper, dass der Pflegeberuf für junge Menschen – auch finanziell gesehen – interessanter gemacht werden müsse. Die heute jungen Menschen würden nicht in Pflegeheime wollen, sondern andere Lösungen bevorzugen. Mit den anderen Kandidaten war sie sich einig, dass man das Problem allein vor Ort nicht lösen könne.

Auch Gerhard Ludwig, Leiter eines Seniorenzentrums in Gladbeck, sprach sich dafür aus, jungen Leuten „den Pflegeberuf schmackhaft zu machen“. Die Pflegeversicherung sei besser als ihr Ruf, decke als „Teilkaskoversicherung“ aber nur einen Teil der Kosten. Pflege werde ein beherrschendes Thema der Zukunft werden, so Ludwig.

Ein „Anerkennungsgeld“, wie es auch Übungsleiter im Sport bekommen, konnte sich CDU-Landrat Dr. Kai Zwicker vorstellen. Aber: Alles Geld, das man für Pflege ausgebe, müsse man „erst einmal auch erwirtschaften“. Zwicker hob hervor, dass Angehörige einen großen Anteil der Arbeit übernähmen: „Zwei Drittel der Pflege findet hier in der Familie statt.“

Zum Schluss: ging‘s eine gute halbe Stunde um den Ölunfall im Eper Amtsvenn. Hier sei der Einfluss der Kreises begrenzt, so Zwicker. „Wo Bergrecht gilt, haben wir nichts zu melden.“ Niemand versuche aber, etwas zu vertuschen. Zwicker betonte, es sei „jetzt nicht der Zeitpunkt, zu dramatisieren“.

Ludwig wies darauf hin, dass die SPD sich dafür eingesetzt habe, dass dazu die Fachausschüsse des Kreises tagten. Landrat Dr. Zwicker war sich am Schluss des Abends aber sicher: „Das Thema Fracking ist in Nordrhein-Westfalen jetzt durch.

 
 

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